Erfahrungspunkte
Im Anschluss an ein Spiel (bis zum nächsten Treffen) bewertet der SL die Geschehnisse im Spiel in dem er für jeden SC Erfahrungspunkte (XP) verteilt, welche zur Entwicklung des Charakters dienen.
Rollenspiel-XP
Dabei sollte zunächst die Qualität des Rollenspiels von Bedeutung sein, also wie gut es dem jeweiligen Spieler gelungen ist seinen Charakter (bezogen auf dessen Persönlichkeit, Gesinnung und die Situation) darzustellen und zur Atmosphäre im Spiel und dem allgemeinen Spaß am Spiel beizutragen. Als Richtwert sollte er sich an der Stufe des Charakters orientieren: Etwa [Stufe × 100] XP sollten für ordentliches Rollenspiel angebracht sein, während für bemerkenswertes Rollenspiel bis zu [Stufe × 200] XP vergeben werden können. Es obliegt dem SL diesen Betrag auch im Vergleich der Spielgruppe untereinander entsprechend zu variieren.
Quest-XP
Meist größere aber dafür seltenere XP-Belohnungen verteilt der SL für abgeschlossene Aufträge oder Kapitel seiner Kampagne. Je nach Umfang des Abenteuers, Wichtigkeit der Ereignisse für die Spielwelt und die Kampagne und Lösungsansatz bzw. Verhalten der SC kann dieser Betrag stark variieren. Normalerweise sollten alle SC für eine gemeinsam erledigte Aufgabe auch den gleichen Betrag an XP erhalten. Wenn sich aber einer der Spieler kaum beteiligt oder sich ein anderer besonders hervorgetan hat, kann der SL dies entsprechend berücksichtigen. Am besten legt er einfach schon im Vorfeld fest, wie viel XP die Erledigung einer Aufgabe den SC einbringen wird und teilt diesen Betrag dann später gerecht unter den SC auf. Dabei ist es sinnvoll einige Rahmenbedingungen festzulegen, die einen erfolgreichen Abschluss definieren, und diese mit entsprechenden XP-Beträgen zu verbinden. So kann auch eine teilweise Erfüllung eines Auftrages belohnt werden. Scheitert ein Auftrag oder werden die Rahmenbedingungen nicht erfüllt, gehen die Spieler leer aus.
Konflikt-XP
Ein weiterer Anteil der vom SL verteilten XP resultiert aus Konfliktsituationen, die der Charakter im Laufe des Spiels gelöst hat. In Kampfsituationen dient der direkte Vergleich der Gefahrenwerte der Kontrahenten zur Bestimmung der angebrachten Konflikt-XP (→). Einen Gegner zu überwinden, dessen GW deutlich über dem Eigenen liegt, ist natürlich eine größere objektive Herausforderung, als einen Gegner geringerem GW zu besiegen und bringt daher mehr XP. Bestehen die Konfliktparteien aus mehreren Kontrahenten, sollte der SL deren Gruppen-GWs heranziehen und die resultierenden Konflikt-XP allen Mitgliedern der Gruppe zuweisen. Die durch den Vergleich von GWs errechneten Konflikt-XP sind nur als Richtwert für den SL zu sehen. Es steht ihm frei den erhaltenen Betrag aufgrund der subjektiven Situation zu modifizieren und beispielsweise die XP zu Gunsten einiger Gruppenmitglieder, die sich durch eine besonders gute Taktik und Koordination ausgezeichnet haben, etwas umzuverteilen. Clevere Ideen, die einen mächtigen Gegner überwinden helfen, dürfen im Nachhinein nichts an der Größe der Herausforderung ändern, weshalb sich der SL im Vorfeld darüber klar sein muss. Eine kämpferische Lösung eines Konflikts muss übrigens nicht mit dem Tod einer Konfliktpartei enden. Auch die Aufgabe oder Flucht des Besiegten sind Möglichkeiten, die vor allem für Charaktere guter Gesinnung erstrebenswert sein sollten.
In diesem Sinne muss ein Konflikt auch nicht im Kampf gelöst werden, damit er XP wert ist. Die optimale Lösung eines Konflikts kann von Charakter zu Charakter unterschiedlich sein. Ein friedfertiger Charakter wird einen Konflikt, der in einem Kampf endete vielleicht als Desaster betrachten und eine diplomatische Lösung als größten Erfolg. Ein kriegerischer Charakter mag dies wiederum völlig anders sehen. In beiden Fällen muss der SL stets die Größe der Herausforderung betrachten und entsprechende XP vergeben. So mag es für den martialischen Charakter ein leichtes sein, einen streitsüchtigen Betrunkenen zu einem Kampf zu bewegen und ihn in seine Schranken zu weisen, jedoch für den friedfertigen Charakter ziemlich schwer den Konflikt mit einem solchen Mann gewaltlos zu beenden. Der Vergleich der GWs kann jedoch auch für kampflos gelöste Konflikte als Orientierungshilfe herangezogen werden, denn das grundsätzliche persönliche Risiko bleibt ja gleich, da auch ein friedlicher Versuch eskalieren kann. An dieser Stelle lässt sich auch gut eine Veränderung der optionalen Eigenschaft „Ehre“ einbringen.
Sonder-XP
- Ziele: Oftmals hat ein Charakter eigene, individuelle Ziele, unabhängig von etwaigen Aufträgen und dem eigentlichen Handlungsverlauf der Kampagne, ein besonderes Streben oder Lebensziel, dass ihn vielleicht erst zu dem gemacht hat, was er ist. Kleine Etappen auf dem Weg zu diesem Ziel oder gar das letztendliche Erreichen sollte der SL mit zusätzlichen XP belohnen. Dabei können es auch ganz bestimmte Handlungen sein, die in Zusammenhang mit dem Ziel stehen und dem Charakter einen konstanten XP-Betrag einbringen. So etwas sollte bei der Charaktererschaffung mit dem SL abgesprochen werden. Dabei können bestimmte Überklassen auch eher gemeingültige Ziele haben, die durch bestimmte Handlungen Ausdruck finden. Je nach dem wie häufig und mit wie viel Aufwand sich solche Handlungen vollziehen lassen, sollten die resultierenden XP vom SL fair bestimmt werden. Es spricht nichts dagegen, dass ein Charakter auch durch mehrere solche Handlungen XP erhält, doch sollte der SL darauf achten, dass es nicht ausufert und der Spieler für jede Kleinigkeit XP einfordert.
- Fähigkeit/Fertigkeit: Wurde eine Fähigkeit oder Fertigkeit in einer Situation in besonderem Maße sinnvoll eingesetzt oder war ausschlaggebend für einen Erfolg, so kann der SL als Belohnung einige Sonder-XP veranschlagen. So könnte eine Magie oder eine heldenhafte „Athletik“-Probe, die den Charakter oder gar die ganze Gruppe in einer verloren geglaubten Situation doch noch gerettet hat, zusätzliche XP einbringen.
- Ideen: Analog zu den Sonder-XP durch den sinnvollen Einsatz einer Fähigkeit oder Fertigkeit können auch gute Ideen im Spiel, die eine Situation maßgeblich beeinflusst haben, mit zusätzlichen XP belohnt werden.
- Erlebtes: Auch besondere Erfahrungen, einprägsame Ereignisse und bemerkenswerte Erlebnisse können zusätzliche XP rechtfertigen. So könnte beispielsweise das Verkosten einer unbekannten Frucht, das erstmalige Betreten eines wirklich imposanten Tempels oder das Erleben einer bisher fremden Kultur als neue Erfahrung einige wenige XP einbringen. Daher kann der SL auch einen pauschalen, geringen XP-Betrag für jeden erlebten Reisetag festlegen, am besten abhängig von der Vertrautheit von Landschaft, Kultur und Klima.