Chaotisch Böse
Die folgende Beschreibungen dieser Gesinnung ist lediglich eine idealisierte Interpretation, die als Richtlinie und Beispiel dienen soll. Ein Charakter muss daher natürlich nicht in allen Belangen mit diesen Ausführungen übereinstimmen, um dieser Gesinnung anzugehören. In der Regel genügen einige Gemeinsamkeiten unter Einhaltung der Grundidee um die Zuordnung angemessen zu rechtfertigen.
Ein chaotisch böser Charakter ist absolut unberechenbar und zu wirklich jeder Handlung fähig. Er ist ein anarchischer Individualist, rücksichtslos egoistisch und ohne Skrupel. Dabei wird er nicht selten von niederen Motiven getrieben, wie beispielsweise Geldgier, Fanatismus, Sadismus oder Rachsucht. Was er tut dient einem solchen Motiv oder seinem persönlichen Vergnügen, nicht etwa einem bestimmten Plan oder Lebensziel. Sein Verhalten kann anderen zunächst völlig normal erscheinen, bis ein an sich unscheinbares Ereignis eine extreme, völlig unbegründete und unverhältnismäßige Reaktion seinerseits hervorruft. Er wird von anderen oft als wahnsinnig bezeichnet und manchmal liegt dieser Gesinnung tatsächlich eine psychische Störung zugrunde. Sich auf den Charakter zu verlassen ist eigentlich schon im Vorfeld zum Scheitern verurteilt. Er sieht absolut keinen Grund darin, sich an Abmachungen und Regeln zu halten, wenn diese nicht zufällig genau seiner Meinung und seinem Vorhaben entsprechen. Jene, die sich freiwillig Gesetzen und Vereinbarungen unterordnen geben damit seiner Meinung nach lediglich Zeugnis ihrer Schwäche. Um sich behaupten zu können bedarf es persönlicher Macht und Stärke, nicht zugewiesenem Einfluss, wie er von hierarchischen Positionen herrührt. Wer diese Stärke hat, kann auch in direkter Konfrontation über andere obsiegen und hat damit das Recht zu tun was ihm beliebt und zu nehmen, was er begehrt. Nur eine solche Autorität wird vom Charakter anerkannt, was jedoch nicht heißt, dass er nicht versuchen würde sie anzufechten und zu stürzen. Wer sich nicht wehren kann oder will hat eben Pech gehabt. Wer auf die Hilfe anderer angewiesen ist oder den Schutz einer Gesellschaft in Anspruch nehmen muss gilt in seinen Augen als Schwächling. Ein Zusammenschluss solcher Charaktere dient meist keiner koordinierten Zusammenarbeit, sondern dem kurzfristigen Widerstand gegen stärkere Feinde. Ein mächtiger Anführer oder der Glaube an ein größeres Übel kann jedoch auch zur Bildung langfristig bestehender Gemeinschaften dieser Gesinnung führen, regiert von Furcht, Gewalt und Verblendung.
- Beispiel: Ein chaotisch böser Charakter befindet sich am späten Abend in seinem Zimmer im ersten Stockwerk eines Gasthauses. Im Schein einer Kerze sitzt er an einem kleinen Tisch, in ein Buch vertieft. Geräusche aus der schmalen Gasse zwischen dem Gasthaus und dem Nachbargebäude lassen ihn aufhorchen. Er blickt aus dem Fenster und sieht wie dort unten im Halbdunkel ein Mann von zwei anderen brutal zusammengeschlagen wird. Die Unberechenbarkeit des Charakters lässt eigentlich jedes Szenario zu. Er könnte beispielsweise kurzerhand nach seiner Waffe greifen, hinunter in die Gasse springen und schlichtweg aus Spaß gegen die Angreifer kämpfen. Ihm ist es egal, ob sie dabei umkommen. Anschließend plündert er sie aus und lässt das Opfer liegen oder gibt ihm den Rest. Sollte er später belangt werden, gibt er vor sich nur gegen Räuber verteidigt zu haben. Oder aber er könnte sich schlichtweg in seiner Ruhe gestört fühlen und alle drei Beteiligten vom Fenster aus mit seinem Kurzbogen erschießen, ungeachtet etwaiger rechtlicher Konsequenzen. Wie gesagt, diesem Charakter wäre alles zuzutrauen.