Alchimie (Spezialisierung)
| Kategorie: Bildung, Magie |
Zuordnung: | FW 1-3 arkan FW 4-10 arkan |
| Bezugsattribut: IN-Verstand, GE-Präzision, (IN-Wissen) | ||
| Komplexität: 10 | Assoziierte Fertigkeiten: Arcana, Wissenschaft | |
Ob als gewiefter Erfinder, geschäftige Alchimistin oder leidenschaftlicher Sprengmeister – Mit dieser Spezialisierung wird dem Charakter fundiertes chemisches Fachwissen zuteil, sowie tiefere Kenntnisse der naturphilosophischen Alchimie. Dies erlaubt neben der Klärung wissenschaftlicher Fragestellungen vor allem auch die Durchführung chemischer Experimente und komplexer Prozeduren, um mit der Klassenfähigkeit „Angewandten Alchimie“ aus ungewöhnlichen und obskuren Zutaten magische Elixiere, Salben und andere Hilfsmittel herzustellen.
Anmerkung: Alchimistische Erzeugnisse existieren in IUNA unabhängig von nicht-magischen chemischen Substanzen und Mixturen, wie Schwefelsäure oder Schwarzpulver, und medizinischen Mixturen, wie Wundtinkturen oder Heilsalben. Diese zeigen natürlich auch in einer fantastischen Welt ihre gewohnten Reaktionen und Wirkungen. Alchimistische Erzeugnisse bewirken hingegen definitiv magische Effekte. So könnte beispielsweise eine alchimistische Rauchbombe resistent gegen Wind oder geräusch- bzw. geruchlos sein, oder ein alchimistischer Heiltrank sofort Wirkung zeigen, anstatt nur die natürliche Erholung zu fördern. Im Gegenzug kann die Wirkung alchimistischer Erzeugnisse von Antimagie unterbunden und aufgehoben werden, und sie sind in ihrer Herstellung meist deutlich aufwändiger und teurer. Somit haben chemisches und medizinisches Fachwissen auch in IUNA ihre Relevanz und ihren Nutzen.
Wenn mittels Alchimie chemische Sachverhalte betrachtet und naturwissenschaftliche Zusammenhänge erschlossen werden sollen, wird die Spezialisierung mit der Fertigkeit „Wissenschaft“ eingesetzt. Liegt der Fokus hingegen auf den übernatürlichen Aspekten der Alchimie, wie beispielsweise das Abschätzen des magischen Potentials gefundener Zutaten oder der Wirkung fertiger Erzeugnisse, wird die Spezialisierung mit der Fertigkeit „Arcana“ kombiniert. In beiden Fällen dient üblicherweise IN-Verstand als Bezugsattribut, um der meist erforderlichen deduktiven Denkweise gerecht zu werden. Sollte es tatsächlich nur um die reine Abfrage von Fakten gehen – ein Name, eine Formel, ein Zahlenwert – kann natürlich auch IN-Wissen als Bezugsattribut herangezogen werden.
In der praktischen Anwendung, zur Durchführung von Experimenten und Herstellung alchimistischer Erzeugnisse können beide genannten Fertigkeiten zum Einsatz kommen, je nach dem ob akribische Laborarbeit oder magisches Fingerspitzengefühl gefragt ist. Als Bezugsattribut wird dann GE-Präzision herangezogen. Genaueres dazu findet sich vor allem bei der Klassenfähigkeit „Angewandten Alchimie“ sowie in den Ausführungen am Ende dieses Artikels.
Der Schwierigkeitsgrad einer Probe hängt davon ab wie komplex die fragliche Information oder wie aufwändig ein durchzuführender Prozess ist. Im Allgemeinen kann sich die SL an folgenden Richtlinien orientieren:
SG Information Beschreibung & Beispiele 5 Trivial alltägliche chemische Phänomene ohne genaue Kenntnis der theoretischen Hintergründe bewusst anwenden, schlichtweg aufgrund von Erfahrungswerten (z.B. Anheizen eines Feuers durch Luftzufuhr, Eindämmen eines Brandes durch geeignete Löschmaßnahmen, Einsatz von Säuren zur Konservierung oder Reinigung, ...); sachgerechter Umgang mit Labormaterial (z.B. Glasgeräte, Mörser & Pistill, Alkoholbrenner, Feinwaage, ...); rudimentäre Kenntnis der besonderen inhärenten Wirkungen und Eigenschaften alltäglicher und verbreiteter Substanzen (z.B. Giftigkeit von Holzgeist oder Bleipulver, lindernde Wirkung von Melisse oder Baldrian, Brennbarkeit von Schwefel und Weingeist, bannende Wirkung von Steinsalz, ...) 10 Gängig chemische Phänomene mit den passenden Fachbegriffen beschreiben (z.B. Unterscheidung von Aggregatzuständen, rudimentäre Klassifizierung von Stoffen und Gemischen, Beschreibung des Reinheitsgrades von Substanzen; Abgrenzung zwischen alltäglichen Namen und präzisen Bezeichnungen im fachlichen Kontext, ...); einfache Experimente durchführen um spezifische Reaktionen gezielt zu nutzen (z.B. Neutralisieren von einfachen Säuren oder Basen um bestimmte Salze herzustellen; grundlegende Trennverfahren wie Filtration oder Destillation durchführen; ein Feuer mit Hilfe eines reaktiven Zündgemischs auch unter widrigen Bedingungen starten; die Flammenfarbe oder Rauchentwicklung eines Feuers durch die Zugabe bestimmter Salze maßgeblich verändern; ...); grundlegende Kenntnis der besonderen inhärenten Wirkungen und Eigenschaften auch ungewöhnlicher Substanzen (z.B. Giftigkeit von Zinnober oder Rauschgelb, läuternde Wirkung von Weihwasser oder Salböl, korrumpierende Wirkung von Bannasche; metamagische Wirkung von Silber, ...); Wissen um vereinfachte (und teilweise überholte) alchimistische Thesen und Theorien (z.B. Phlogiston-Theorie, Vitalitäts-Lehre, Vier-Elemente-Konzept, ... ) 15 Anspruchsvoll chemische Vorgänge mit abstrakten Formeln und Reaktionsgleichungen darstellen; mehrstufige Apparaturen aufbauen und aufwändige oder riskante Experimente durchführen (z.B. flüchtige Wirkstoffe durch wiederholte Destillation in reiner Form isolieren; stark verschmutztes Wasser über mehrere Schritte wieder trinkbar machen; sicher mit ätzenden oder volatilen Substanzen arbeiten; ...); Reaktionsprozesse durch exakte Berechnungen präzise vorhersagen und planen (z.B. ein Experiment durch akribische Vorbereitung weitgehend verlustfrei durchführen; die Korrosion eines Metalls durch passende Maßnahmen verzögern oder verhindern; durch Druck oder Temperatur die Geschwindigkeit einer Reaktion gezielt steuern; ...); die Zusammensetzung und charakteristischen Eigenschaften von Stoffen experimentell ermitteln und überprüfen (z.B. systematische qualitative Analyse zur Identifikation einer unbekannten Substanz; mit analytischen Methoden die Echtheit eines Metalls oder Minerals überprüfen; einen unbekannten Stoff anhand seiner Eigenschaften korrekt klassifizieren; ...); fundierte Kenntnis der besonderen inhärenten Wirkungen und Eigenschaften auch ausgefallener Substanzen (z.B. Brennbarkeit von Phosphor; Giftigkeit von Arsen, läuternde Wirkung von Myrre, korrumpierende Wirkung von Leichenstaub; metamagische Wirkung von Platin, ...); Wissen um etablierte alchimistische Thesen und Theorien (z.B. Essenz-Lehre, allgemeine Teilchen-Modelle, Gleichgewichts-Konzept, ...) 20 Komplex chemische Vorgänge kritisch betrachten, um Prozesse zu optimieren oder gezielt zu unterbrechen (z.B. die Ausbeute einer Synthese durch Anpassung der Reaktionsbedingungen verbessern; das Fortschreiten einer Reaktion durch präzise Zugabe eines weiteren Stoffes stoppen; ...); etablierte Apparaturen verbessern und neue Prozeduren entwickeln (z.B. zwei Stufen einer Apparatur zu einer einzelnen kombinieren, um den Prozess zu verschlanken; eine bekannte Prozedur auf innovative Weise in einem neuen Kontext anwenden; einen Prozess anpassen, sodass das Produkt nicht gelöst sondern als leicht zu handhabendes Pulver anfällt; ...); diffizile oder höchstgefährliche Experimente sicher durchführen (z.B. die Zusammensetzung einer komplexen Substanz allein anhand geringster Spuren rekonstruieren; einen hochgradig instabilen Stoff sicher synthetisieren und handhaben; ...); umfassende Kenntnis der besonderen inhärenten Wirkungen und Eigenschaften auch seltener Substanzen (z.B. esoterische Wirkungen von Edelsteinen, elementare Affinitäten der Organe mystischer Bestien und seltener Tiere; vielschichtige Wirkung von Alraunenwurzel, ...); Wissen um obskure alchimistische Thesen und Theorien (z.B. Schwingungs-Theorie, metaphysisches Teilchen-Modell, ...) 25 Abstrakt Betrachtung chemischer und alchimistischer Theorien aus ungewöhnlichen Perspektiven; Durchdringung der Zusammenhänge von Wissenschaft und Magie auf fundamentaler Ebene; Erschließung gänzlich neuer Reaktionswege zur Synthese bisher unbekannter Stoffe (z. B. die Entwicklung eines völlig neuartigen Materials mit höchst spezifischen Eigenschaften; das theoretische Entkräften tief verwurzelter alchimistischer Lehrsätze durch unanfechtbare empirische Beweisführung; die Formulierung eines revolutionären neuen Theorems, das eine signifikante Lücke zwischen evidenzbasierter Chemie und spekulativer Magietheorie schließt; ...); detaillierte Kenntnis der besonderen inhärenten Wirkungen und Eigenschaften auch rarer Substanzen
Erfolgspunkte bei einer Fertigkeitsprobe mit Alchimie können genutzt werden, um situative Vorteile zu erlangen. Jeder Vorteil kann auch mehrfach gewählt werden, insofern die Umstände dies erlauben (SL-Entscheid).
- 2 EP: Probewert +1 bei der nächsten Fertigkeitsprobe auf eine praktische oder akademische Fertigkeit, die sinnvollerweise von der erhaltenen Information oder scharfsinnigen Überlegung profitieren könnte.
- 4 EP: Ein zusätzliches Detail zur erhaltenen Information erfahren, beispielsweise eine unscheinbare Abweichung von der zu erwartenden Beobachtung des Phänomens, eine akademische Randnotiz bezüglich der Validität einer These, oder eine untypische Eigenschaft der fraglichen Substanz. Alternativ kann der SL auch eine andere Information preisgeben, die unmittelbar mit dem ursprünglichen Anliegen verknüpft ist, beispielsweise ein kleiner Hinweis, wie sich die erhaltene Information besonders effektiv nutzen ließe.
- 10 EP: Der Spieler kann selbst eine sinnvolle Information gleicher oder geringerer Komplexität zur Situation beitragen. Diese sollte mit dem ursprünglichen Anliegen des Charakters in Verbindung stehen oder die Erzählung auf andere Weise bereichern. Es steht dem SL frei korrigierend einzugreifen, sollten sich durch die Idee des Spielers Widersprüche mit bereits etablierten Fakten oder festgelegten Zusammenhängen ergeben.
Fertigkeitsproben mit Alchimie sind selten eine schnelle Angelegenheit. Abgesehen von langwierigen Arbeiten im Labor gilt dies auch für den eher spontanen Einsatz im freien Feld, denn eine gewissenhafte Analyse eines Phänomens oder die Vorbereitung einer Reaktion dauert normalerweise länger als einige Runden. Damit gelten diese Handlungen als andauernde Aktion, womit die Regel für Störungen und widrige Umstände greift und die SL zusätzliche Fertigkeitsproben verlangen kann. Auch könnte die Situation vielleicht gefährlich oder reich an Ablenkungen sein, oder es werden improvisierte Gerätschaften verwendet. Dann kann die SL den SG auch schlichtweg pauschal um bis zu +5 erhöhen. Generell empfiehlt es sich daher solche Untersuchungen wenn möglich in Ruhe und mit ansprechender Vorbereitung durchzuführen.
Zutaten bewerten
Der Charakter kann einschätzen, ob eine ihm vertraute Zutat den Qualitätsansprüchen zur Verwendung in einem alchimistischen Erzeugnis gerecht wird. Dazu wird eine Fertigkeitsprobe mit „Arcana“ abgelegt, deren SG von ihrer Seltenheit abhängig ist: alltäglich SG 3, verbreitet SG 6, ungewöhnlich SG 9, ausgefallen SG 12, selten SG 15, rar SG 18, einzigartig: SL-Entscheid. Die Untersuchung nimmt bei guten Arbeitsbedingungen 3W4 Minuten in Anspruch. Jede Erhöhung des SG aufgrund schlechter Bedingungen erhöht den Zeitaufwand im gleichen Umfang (z.B. SG +2 → +2 Minuten).
Bei Gelingen kann eine Aussage über die generelle Eignung der Zutat und gegebenenfalls auch ihre Echtheit und die Angemessenheit eines Angebots getroffen werden. Je 3 EP kann der Charakter ein enthaltenes alchimistisches Potential erfahren bzw. bestätigen. Ansonsten mindert jeder Erfolgspunkt die erforderliche Zeit um eine Minute. Sinkt diese dadurch auf Null, erkennt der Charakter die Eignung der Zutat bereits mit einem Blick oder einer schnellen Geruchsprobe. So könnte er die genaue Untersuchung der alchemistischen Potentiale bei einer ersten Begutachtung außen vor lassen und dies später in Ruhe nachholen.
Geräte und andere Arbeitsmaterialien können auf ähnliche Weise auf ihre Eignung hin untersucht werden. Dann wird die Fertigkeitsprobe allerdings mit „Wissenschaft“ durchgeführt und die SL legt einen SG fest, den es für eine kompetente Einschätzung zu erreichen gilt.
Zutaten prüfen
Der Charakter kann auch herausfinden, ob eine bisher unbekannte Substanz als alchimistische Zutat in Frage kommt. Dazu wird eine Fertigkeitsprobe mit „Arcana“ abgelegt, deren SG von ihrer Seltenheit abhängig ist: alltäglich SG 4, verbreitet SG 8, ungewöhnlich SG 12, ausgefallen SG 16, selten SG 20, rar SG 24, einzigartig: SL-Entscheid. Die Untersuchung nimmt bei guten Arbeitsbedingungen 3W8 Minuten in Anspruch und erfordert auf jeden Fall einige experimentelle Schritte. Jede Erhöhung des SG aufgrund schlechter Bedingungen erhöht den Zeitaufwand im dreifachen Umfang (z.B. SG +2 → +6 Minuten).
Bei Gelingen kann eine Aussage über die generelle Eignung der Substanz und eventuell enthaltene Potentialtypen getroffen werden. Je 4 EP kann der Charakter den genauen Wert eines enthaltenen alchimistischen Potentials ermitteln. Ansonsten mindert jeder Erfolgspunkt die erforderliche Zeit um zwei Minuten.
Besitz der Charakter eine exakte Anleitung, die ihn Schritt für Schritt durch den Analyseprozess führt, kann die SL auch eine Probe auf „Wissenschaft“ {Alchimie} zulassen.
Erzeugnisse analysieren
Etwas Zeit und entsprechende Arbeitsbedingungen vorausgesetzt, kann der Charakter unbekannte alchimistische Erzeugnisse auch ohne die Zuhilfenahme von Magie analysieren. Bei guten Arbeitsbedingungen dauert ein Versuch [(äquivalenter Grad der Rezeptur × 10) + 3W20] Minuten und erfordert eine erfolgreiche Fertigkeitsprobe mit „Arcana“ gegen einen SG von [5 + (2 × äquivalenter Grad der Rezeptur)]. Jede Erhöhung des SG aufgrund schlechter Bedingungen erhöht den Zeitaufwand im fünffachen Umfang (z.B. SG +2 → +10 Minuten).
Gelingt die Probe, erhält der Charakter zunächst einen Eindruck der grundlegenden Wirkung, also ob es sich bei einem magischen Trank um einen starken Heiltrank oder einen Unsichtbarkeitstrank handelt. Je 5 EP kann ein exaktes Detail in Erfahrung gebracht werden, beispielsweise die genaue Wirkungsdauer des Effekts oder wie hoch etwaige verliehene Boni ausfallen. Ansonsten mindert jeder Erfolgspunkt die erforderliche Zeit um fünf Minuten. Ein Erzeugnis kann auch mehrmals analysiert werden, um alle Eigenschaften zu erfahren. Da bei jeder Analyse jedoch ein kleiner Teil des Erzeugnisses verbraucht wird, sollte der SL die möglichen Anwendungen oder (falls nur eine Anwendung möglich ist) die generelle Wirkung nach mehreren Versuchen entsprechend reduzieren.
Handelt es sich um eine Rezeptur, die dem Charakter selbst bekannt ist, sinkt der SG der Fertigkeitsprobe um -5 und bei Gelingen der Probe sind ihm sofort alle Details der Wirkung bekannt, womit etwaige EP vollständig zur Minderung des Zeitaufwands genutzt werden können.
Erzeugnisse erschaffen
Die Herstellung von alchimistischen Erzeugnissen ist ein sehr komplexer Vorgang, der die Klassenfähigkeit „Angewandten Alchimie“ erfordert und in deren Artikel detailliert beschrieben wird.