Okkultismus (Spezialisierung)

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Kategorie: Bildung, Magie      
Zuordnung: SW 1-3   arkan, klerikal
SW 4-10   arkan
Bezugsattribut: IN-Wissen      
Komplexität: 8 Assoziierte Fertigkeiten: Arcana, Mystik

Ob als Exorzist, Medium oder – Diese Spezialisierung umfasst oftmals verborgene oder gar verbotene Fachwissen über übernatürliche Entitäten jenseits der natürlichen Weltordnung. Okkultismus beschäftigt sich mit der historischen Herkunft, der akademischen Klassifizierung sowie den Eigenschaften und dem Verhalten von Dämonen, Untoten, Elementaren und Konstrukten. Darüber hinaus beinhaltet diese Disziplin die Kenntnis diverser Rituale, die zur Beschwörung, Bannung oder zur sicheren Interaktion mit solchen Wesenheiten dienen.

Das Fachgebiet erlaubt es dem Charakter, diese Mächte auf zwei unterschiedlichen Wegen zu ergründen: Wird das Wissen genutzt, um die messbaren Eigenschaften, das Kampfverhalten, physische Schwachstellen oder die konkrete Durchführung eines Bannrituals zu analysieren, kommt Okkultismus mit der Fertigkeit "Arcana" zum Einsatz. Geht es hingegen um die Erforschung der mythologischen Hintergründe, die spirituelle Bedeutung solcher Entitäten oder die Entschlüsselung uralter, überlieferter Beschwörungsformeln, wird die Spezialisierung mit "Mystik" kombiniert. In beiden Fällen ist "IN-Wissen" das maßgebliche Bezugsattribut, da das Abrufen und Kombinieren von auswendig gelerntem Faktenwissen im Vordergrund steht.

Da Okkultismus keine Magie ist, sondern angewandtes Fachwissen, bleiben die Resultate einer Probe stets im Rahmen des menschlich Möglichen – ein Ritual mag magische Effekte kanalisieren, doch das Wissen um seine korrekte Durchführung ist reine Gelehrsamkeit. Der Schwierigkeitsgrad einer Probe hängt davon ab, wie tiefgreifend und exklusiv die fragliche Information ist. Die SL kann sich an den folgenden Richtlinien orientieren:

SG Information Beschreibung & Beispiele
5 Trivial grundlegendes und folkloristisches Wissen über okkulte Entitäten, das jedem durch Schauergeschichten oder Ammenmärchen geläufig sein könnte (z. B. die grobe Unterscheidung zwischen einem klappernden Skelett und einem wandelnden Leichnam; die Erkenntnis, dass Dämonen aus einer niederen Sphäre stammen; das Wissen, dass ein Elementar aus purer Naturgewalt besteht; die bekannte Schutzwirkung von Salz oder geweihtem Wasser gegen niedere Untote; ...).
10 Verbreitet fundiertes Wissen über Eigenschaften und Verhaltensweisen, das erfahrenen Abenteurern, Exorzisten oder belesenen Bürgern bekannt sein könnte (z. B. das Wissen um die Empfindlichkeit vieler Untoter gegenüber Sonnenlicht oder klerikaler Magie; die Identifizierung eines Golems als unbelebte Materie, die durch eine magische Matrix angetrieben wird; die gängigen Kräuter und Metalle, die zur Abwehr niederer Dämonen genutzt werden; das Erkennen eines intakten Bannkreises; ...).
15 Anspruchsvoll detailliertes und situationsspezifisches Wissen, das man eigentlich nur nach tiefgreifendem okkultem Studium kennen kann oder gezielt nachschlagen müsste (z. B. die wahren Namen, Ränge oder Hierarchien spezifischer niederer Dämonen; die exakten physischen Komponenten und der fehlerfreie Aufbau eines Rituals zur Beschwörung eines Elementars; das Wissen um die empfindlichste Schwachstelle eines Fleischkonstrukts; die genaue Zuordnung esoterischer Symbole zu einem bestimmten Totenkult oder Dämonenprinzen; ...).
20 Komplex kritische Betrachtung okkulter Phänomene im erweiterten mythologischen oder arkan-historischen Kontext, die ein hohes Maß an Expertise und analytischem Verständnis erfordert (z. B. die Rekonstruktion eines beschädigten oder uralten Bannrituals, um es an aktuelle Gegebenheiten anzupassen; das Erkennen subtilster Verhaltensabweichungen bei einem durch einen Dämon besessenen Wesen; die genaue Analyse der Energieströme eines komplexen Wächterkonstrukts; die Herleitung der Schwachstellen eines hochrangigen Dämonenlords anhand verstreuter, kryptischer Mythen; ...).
25 Abstrakt Betrachtung okkulter Gesetzmäßigkeiten aus ungewöhnlichen Perspektiven und die fehlerfreie Anwendung höchst spekulativer Theorien (z. B. die Entwicklung gänzlich neuer Bannrituale für bisher unklassifizierte außerweltliche Entitäten; das absolute Verständnis der paradoxen Existenzbedingungen jenseitiger Mächte in der sterblichen Sphäre; die punktgenaue Manipulation oder Umkehrung der Bindungsmagie eines fremden Konstrukts mitten im laufenden Gefecht; die Entschlüsselung verloren geglaubter, verbotener Traktate über hochstufige Nekromantie; ...).

Erfolgspunkte bei einer Fertigkeitsprobe mit Okkultismus können genutzt werden, um situative Vorteile zu erlangen. Jeder Vorteil kann auch mehrfach gewählt werden, insofern die Umstände dies erlauben (SL-Entscheid).

  • 2 EP: Probewert +1 bei der nächsten Fertigkeitsprobe zur physischen Durchführung eines Rituals oder zur direkten Interaktion mit der betrachteten Entität, die sinnvollerweise von dem soeben abgerufenen Fachwissen profitieren könnte.
  • 4 EP: Ein zusätzliches, verborgenes Detail zur erhaltenen Information erfahren, beispielsweise ein feiner, katastrophaler Fehler in einem Beschwörungskreis, eine spezifische, leicht zu übersehende Schwäche in der Panzerung eines Konstrukts, oder ein kryptischer Hinweis auf die wahre Motivation eines Dämons.
  • 6 EP: Der Charakter wandelt sein okkultes Wissen in einen direkten taktischen Vorteil um. Er – oder ein von ihm instruierter Verbündeter – darf den nächsten Angriffs- oder Verteidigungswurf gegen genau diese Entität einfach bevorzugt durchführen, da Bewegungsmuster, Angriffswinkel oder magische Entladungen präzise antizipiert wurden.
  • 10 EP: Der Spieler kann selbst eine fundierte Information gleicher oder geringerer Komplexität zum mythologischen Hintergrund oder zur unbarmherzigen Natur der okkulten Entität beitragen. Diese sollte mit dem ursprünglichen Anliegen des Charakters in Verbindung stehen oder die düstere, angespannte Atmosphäre der Situation auf erzählerische Weise bereichern. Es steht der SL frei, korrigierend einzugreifen, sollten sich durch die Idee des Spielers Widersprüche mit bereits etablierten Fakten oder ausgearbeiteten Aspekten der Spielwelt ergeben.


Ob als frommer Kirchgänger, gelehrte Theologin oder fanatischer Kultist – Diese Spezialisierung erlaubt es dem Charakter religiöse Dogmen zu verstehen, klerikale Hierarchien sowie kirchliche Mythen zu durchblicken und das Wirken höherer Mächte zu deuten. Sie umfasst vornehmlich theologisches Fachwissen, welches mit einer Fertigkeitsprobe auf „Gesellschaft“ oder „Mystik“ abgerufen werden kann. Der Unterschied liegt darin, dass „Gesellschaft“ die kulturellen Aspekte verschiedener Religionen abdeckt, wie beispielsweise die Geschichte und Hierarchien einer Glaubengemeinschaft, alltäglich relevante Dogmen und Gebote oder Hintergründe zu kirchlichen Feiertagen, während mit „Mystik“ Informationen zu höheren Mächten und ihren Sendboten, spirituellen Phänomenen, verschiedenen Weltanschauungen und überlieferten Mythen erfragt werden können. Im Falle einer thematischen Überschneidung kann die SL bestimmen, welche Fertigkeit passender ist, oder schlichtweg den besseren Fertigkeitswert zulassen. Der Schwierigkeitsgrad einer Probe hängt davon ab wie verbreitet die fragliche Information ist, und wie wahrscheinlich es ist, dass der Charakter aufgrund seines Hintergrunds bereits mit dem Thema in Berührung kam. Dem wird durch die allgemeinen Modifikatoren Rechnung getragen, die in der Beschreibung von „Gesellschaft“ aufgeführt sind. Im Allgemeinen kann sich die SL an folgenden Richtlinien orientieren:

SG Information Beschreibung & Beispiele
5 Trivial religiöses Grundwissen, das jedem Bürger mit etwas Lebenserfahrung zuteil sein sollte (z.B. Namen und vornehmliche Zuständigkeit (Gesetz, Schifffahrt, Winter) regional verehrter Gottheiten; allgemeine Haltung lokaler Priesterschaften zu fundamentalen Themen des Alltags (Heirat, Beerdigung, Lügen, Diebstahl); repräsentatives Symbol ortsansässiger Glaubensgemeinschaften (Sonnenrad, gekreuzte Schwerter, Waagschale); wichtigste Eckpunkte alltagsrelevanter Mythen und religiöser Lehren (Schöpfung, Paradies, Verdammnis); vereinfachter Grund für kirchliche Feiertage (Familie, Dankbarkeit, Buße); allgemeine Titel der wichtigsten klerikalen Würdenträger; ...)
10 Gängig religiöse Kenntnisse, die zwar Gegenstand des Alltags, jedoch bei Weitem nicht jedem Bürger bekannt sind (z.B. mythologische Verbindungen und Beziehungen regional verehrter Gottheiten (Gemahl, Tochter, Gegenspieler); Namen und vornehmliche Zuständigkeit fremder Gottheiten; proklamierte Gebote und Verbote seitens der lokalen Priesterschaften, sowie Gerüchte zu deren klerikalen Gaben (Heilung, Orakel, Schutz, Strafe); weiterführende Symbolik der ortsansässigen Glaubensgemeinschaften (Farben, Ikonen, Zeichen); grundlegende Handlung und Moral verbreiteter Mythen; wichtige Traditionen zu kirchlichen Feiertagen (Zeremonien, Kostüme, Speisen); konkrete Namen der wichtigsten klerikalen Würdenträger; ...)
15 Anspruchsvoll theologische Informationen, die man eigentlich nur nach entsprechendem Studium kennen kann oder gezielt nachschlagen müsste (z.B. mythologische Begründungen für den etablierten Aufbau eines Pantheon (Allianzen, Rivalitäten, Konflikte); überlieferte Diener und Sendboten einer Gottheit (Erscheinung, Verhalten, Gesinnung); Details zu Bräuchen, Dogmen, Geboten und Verboten einer Priesterschaft; verlässliche Zeugnisse zu ihren klerikalen Gaben; detaillierte Handlung überlieferter Mythen und differenzierte Betrachtung ihrer Moral; genaue historische Hintergründe eines kirchlichen Feiertages; Details zu den hierarchischen Strukturen einer Glaubensgemeinschaft; Abfolge und Errungenschaften vergangener klerikaler Würdenträger;...)
20 Komplex kritische Bewertung theologischer Informationen im erweiterten Kontext, sowie Einsichten, die ein tieferes Verständnis und umfassende Detailkenntnis religiöser Themen erfordern (z.B. vielschichtige mythologische Darstellung einer höheren Macht in Einklang bringen oder Widersprüche aufzeigen; Details zu übernatürlichen Dienern und Sendboten einer Gottheit (Persönlichkeit, Stärken, Schwächen); ein ungewöhnliches Ereignis als Omen oder göttliches Zeichen interpretieren; religiöse Zeugnisse kritisch hinterfragen und auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen; weitreichende Konsequenzen einer Entscheidung im Lichte religiöser Dogmen betrachten; Handlung und Moral obskurer Mythen zusammentragen; etablierte Mythen kritisch analysieren; politische Dimensionen kirchlichen Handelns durchschauen; ...)
25 Abstrakt Betrachtung theologischer Informationen aus ungewöhnlichen Perspektiven, Knüpfen alternativer und neuartiger Zusammenhänge, sowie Anwendung spekulativer Theorien (z.B. religiöse Praktiken auf historische Ereignisse und kulturelle Strömungen zurückführen; Religionen verschiedener Völker oder Kulturen vergleichen und gemeinsame Wurzeln oder Divergenzen aufzeigen; plausible Theorien zu verborgenen Vorgängen innerhalb einer Glaubensgemeinschaft aufstellen; religiöse Dogmen und kirchliche Strukturen vergangener Kulturen rekonstruieren; völlig fremdartige Weltanschauungen erschließen; ...)

Dabei ist natürlich zu beachten, dass die religiösen Überzeugungen eines Charakters stark von seiner Herkunft und kulturellen Perspektive abhängig sind. So könnte er mit einer völlig verzerrten Darstellung einer rivalisierenden Religion aufgewachsen sein, die ihn und seine Haltung diesbezüglich nachhaltig geprägt hat. In solch einem Fall kann der SL den Schwierigkeitsgrad, um verlässliche Informationen zusätzlich (und verborgen) um bis zu +5 erhöhen, oder das abgerufene Wissen schlichtweg entsprechend anpassen.


Erfolgspunkte bei einer Fertigkeitsprobe mit Religion können genutzt werden, um situative Vorteile zu erlangen. Jeder Vorteil kann auch mehrfach gewählt werden, insofern die Umstände dies erlauben (SL-Entscheid).

  • 2 EP: Probewert +1 bei der nächsten „Mystik“- oder „Gesellschafts“-Probe mit gleichem oder geringeren SG, die sinnvollerweise von der erhaltenen Information profitieren könnte.
  • 4 EP: Ein zusätzliches Detail zur erhaltenen Information erfahren, beispielsweise einen konkreten Namen statt nur eines Titels oder einer Beschreibung, den gesellschaftlichen Hintergrund zum erfahrenen religiösen Dogma, oder einen zusätzlichen Aspekt der fraglichen Gottheit. Alternativ kann der SL auch eine andere Information preisgeben, die unmittelbar mit dem ursprünglichen Anliegen verknüpft ist, beispielsweise ein historisches Ereignis, bei dem die erfragte Priesterschaft maßgeblich involviert war.
  • 10 EP: Der Spieler kann selbst eine sinnvolle Information gleicher oder geringerer Komplexität zur Spielwelt beitragen. Diese sollte mit dem ursprünglichen Anliegen des Charakters in Verbindung stehen oder die Erzählung auf andere Weise bereichern. Es steht dem SL frei korrigierend einzugreifen, sollten sich durch die Idee des Spielers Widersprüche mit bereits etablierten Fakten oder ausgearbeiteten Aspekten der Spielwelt ergeben.

Zeremonie durchführen
Die Planung und Durchführung klerikalmagischer Zeremonien erfordert normalerweise eine Fertigkeitsprobe auf „Mystik“ {Religion}, oder setzt zumindest einen bestimmten Fertigkeits- und Spezialisierungswert zum Erlernen voraus. Die Durchführung von Zeremonien verlangen oftmals das Zusammenwirken mehrerer Gläubiger und erfordert daher auch ein großes Maß an Abstimmung und Vorbereitung. Je komplexer und mächtiger eine Zeremonie, desto höher der SG, den es zu erreichen gilt. Genaueres ist der Beschreibung der jeweiligen Zeremonie zu entnehmen.


Kreaturen bestimmen
Das Fachwissen über Klassifizierung, Gesinnung, Verhalten, spezifische Stärken und verborgene Schwächen von Celestiern, Unar, Infernalen und Nethren, wie es mit einer Fertigkeitsprobe auf „Mystik“ {Religion} abgerufen werden kann, könnte einen entscheidenden taktischen Vorteil in der Konfrontation mit derartigen Wesen liefern, oder vielleicht auch dabei helfen, einen solchen Konflikt von vornherein zu vermeiden.
Der Probewurf kann analog zur Spezialisierung {Xenologie} nach den dort beschriebenen Richtlinien ausgewertet werden, auch mit den dort aufgeführten Optionen für Erfolgspunkte. Dabei sollte allerdings beachtet werden, dass diese Kreaturen normalerweise weder in Weltensphäre beheimatet sind, noch dem gewöhnlichen Volk im Detail bekannt sein dürften. Sicherlich haben schon viele die entsprechenden Darstellungen göttlicher Sendboten in religiöser Ikonographie gesehen, doch zwischen den verschiedenen Hierarchien, Orden und Rängen, ihren Aufgaben, Befugnissen und Einschränkungen zu unterscheiden ist üblicherweise sehr spezifischer Fachliteratur vorenthalten.