Gespür (Spezialisierung)
/to do/
| Kategorie: Abenteuer, Interaktion |
Zuordnung: | SW 1-3 allgemein, klerikal, transzendent SW 4-10 klerikal, transzendent |
| Bezugsattribut: WA-Intuition | ||
| Komplexität: 7 | Assoziierte Fertigkeiten: Aufmerksamkeit, Heilkunde, Orientierung | |
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Diese Fertigkeit bemisst die intuitive Einschätzung von Personen und Situationen, die durch Lebenserfahrung - Überraschungen, Unglücke, gerechtfertigtes Vertrauen sowie herbe Enttäuschungen - geprägt und geschult werden kann.
Aktiv wird diese Fertigkeit in sozialen Situationen genutzt und erlaubt durch einen konkurrierenden Probewurf bewusste Täuschungen und Manipulationsversuche zu erkennen und zu durchschauen. Relevante Fertigkeiten wären „Täuschen“, „ Schauspielerei“, „Einschüchtern“ und „Diplomatie“. Gegen „Täuschen“ wird gewürfelt, wenn das Gegenüber versucht den Charakter anzulügen oder anderweitig zu überlisten. Ein erfolgreicher Wurf kann berechtigtes Misstrauen wecken. Gegen „Schauspielerei“ wird gewürfelt, wenn das Gegenüber vorgibt jemand anderes zu sein, also mit mehr als nur einer spontanen Lüge aufwartet. Bei Erfolg kann der Charakter die Maskerade durchschauen. Gegen „Einschüchtern“ wird gewürfelt, wenn das Gegenüber versucht den Charakter unter Druck zu setzen oder zu erpressen. Bei Erfolg kann die Ernsthaftigkeit der Drohung abschätzen und urteilen, ob diese tatsächlich wahr gemacht würde oder es nur ein Bluff ist. Gegen „Diplomatie“ wird gewürfelt, um einzuschätzen ob vom Gegenüber vorgebrachte Argumente und Angebote wirklich verlässlich sind. Der SL kann jedoch auch entscheiden, dass IN-Verstand als Bezugsattribut herangezogen werden sollte, wenn es vor allem auf das kritische Hinterfragen von Zusammenhängen und Argumenten geht als um das reine Bauchgefühl.
Für die richtige Einschätzung des Gegenüber ist natürlich von Bedeutung, wie gut der Charakter diesen schon kennt, und wie tiefgründig bisherige Unterhaltungen waren. Bei einer politischen oder philosophischen Diskussion kann man nunmal deutlich mehr über jemanden erfahren, als bei einer beiläufigen Konversation über das Wetter. Daher gelten folgende Modifikationen des SG der Fertigkeitsprobe:
SG-Modifikation SG Umstände +5 dem Charakter ist sein Gegenüber fremd, er hat ihn bisher höchstens beobachtet, also noch kein Gespräch geführt +3 der Charakter hat sein Gegenüber grade erst kennengelernt oder hat mit ihm bisher nur Belanglosigkeiten und Floskeln ausgetauscht +1 der Charakter ist seinem Gegenüber schon ein paar mal flüchtig begegnet und es kam zu kurzen Wortwechseln -1 dem Charakter ist sein Gegenüber bekannt und es gab auch schon längere Unterhaltungen, jedoch ohne großen Tiefgang -3 der Charakter konnte sein Gegenüber schon in intensiven Gesprächen besser kennenlernen uns ist ihm schon öfter begegnet -5 der Charakter ist mit seinem Gegenüber vertraut, er kennt ihn schon eine Weile und hat schon einige Situationen mit ihm durchlebt +2 das Gegenüber gehört einer anderen Rasse an als der Charakter +5 das Gegenüber gehört einer anderen Kreaturenkategorie an als der Charakter
Bei Fertigkeiten die soziale Interaktion repräsentieren sollte der SL natürlich das Rollenspiel bei der Interpretation des Probewurfs mit einbeziehen. Je besser die Interaktion im Rollenspiel umgesetzt wird, desto mehr Nutzen sollte der Charakter aus dieser Fertigkeit ziehen können.
Empathie hat jedoch auch noch einen passiven Nutzen, der als eine Art Gefahrengespür in einer Vielzahl von Situationen eine Rolle spielt. Der SL kann den Spieler auffordern eine Probe abzulegen, wenn dem Charakter eine Situation nicht ganz geheuer sein sollte oder er intuitiv etwas bemerken könnte. Dies könnte beispielsweise ein Verdacht, eine Vorahnung, eine Unstimmigkeit oder eine Gefahr sein, auf die der SL hinweisen möchte. In diesem Fall legt er schlichtweg einen SG fest, den es zu erreichen gilt. Alle SCs, denen dies gelingt oder die den SG sogar übertreffen, bemerken was auch immer der SL mit dieser Probe angedacht hatte. Gegebenenfalls erhält auch nur der Charakter mit dem höchsten Probewert die fragliche Information. Kommt es in einer solchen Situation eher auf die allgemeine Wahrnehmung an, könnte ein gutes Auge oder scharfes Gehör also genauso hilfreich sein wie das rechte Gespür, kann stattdessen auch eine Wahrnehmungsprobe verlangt werden.
Diese Fertigkeit impliziert Einsichten bezüglich den Vorgängen und Eigenheiten von Geist und Seele, wie etwa den Ursachen bestimmter Eigenarten und Verhaltensweisen. Diese Kenntnisse müssen natürlich nicht mit den Erkenntnissen moderner Medizin in Einklang stehen, denn grade in einer magischen Welt gibt es zahlreiche alternative Erklärungen für ungewöhnliches Verhalten und Gefühle. Entsprechende Kompetenz in Psychologie erlaubt außerdem Persönlichkeitsanalysen und gegebenenfalls auch die Behandlung psychischer Erkrankungen. Daher ist je nach Setting die Bezeichnung „Geistes-“ oder „Seelenheilkunde“ vielleicht angemessener. Bei der Anwendung der Fertigkeit werden zwei Bezugsattribute herangezogen, IN-Wissen für die Theorie und WA-Intuition für die Praxis. Der Fertigkeitswert entscheidet dabei wie immer über die Kompetenz.
Der theoretische Teil dieser Fertigkeit umfasst das Fachwissen über mentale und emotionale Vorgänge, geistige Verknüpfungen und Assoziationen sowie bekannte Geisteskrankheiten und Verhaltensstörungen. Der SL kann abhängig vom Fertigkeitswert bestimmen, dass manche gängigen Theorien dem Charakter auch ohne Probewurf bekannt sind. Für komplexere Sachverhalten oder eigene Rückschlüsse kann er eine Fertigkeitsprobe auf einen bestimmten SG verlangen. So könnte der Charakter um die Symptome einer bestimmten Störung wissen oder allgemein einschätzen worauf gewisse Verhaltensweisen zurückzuführen sind. Um jedoch eine tatsächliche Diagnose anzustellen ist das direkte Gespräch und eine Persönlichkeitsanalyse erforderlich.
Dazu dient der praktischen Teil dieser Fertigkeit. Eine erste Einschätzung kann bereits nach einer längeren Unterhaltung erfolgen. Für eine tiefergehende Analyse sind mehrere intensive Gespräche notwendig. Nach jeder Konversation zu diesem Zweck wird eine Fertigkeitsprobe mit einem SG in Höhe der Summe der geistigen Attribute seines Gegenüber abgelegt (also [IN-Wi + IN-Ve + PE-Wi + PE-Ch + WA-In]). Eine vielschichtige, intelligente und interessante Person ist schwerer zu lesen als ein eher einfach gestricktes Gegenüber und kann mit Charme etwaige Probleme und Schwächen überspielen. Der SL kann den SG für Länge und Tiefgründigkeit des Gesprächs um bis zu ±5 modifizieren. Auch die Offenheit und Bereitschaft des Gegenüber spielen natürlich eine wichtige Rolle, die der SL mit einem Bonus oder Malus bedenken kann. Der SG sollte nicht offengelegt werden, sodass im Falle eines gescheiterten Wurfs auch eine Fehleinschätzung glaubwürdig erscheint. Gelungene Probewürfe offenbaren zunächst markante Charakterzüge, wie z.B. Vertrauenswürdigkeit, Zuverlässigkeit, Ehrgeiz, Geduld, Spontanität, Gottvertrauen oder Großzügigkeit. Im weiteren Verlauf der Analyse erschließen sich die Gründe für diese Eigenschaften, sowie etwaige verborgene Probleme und deren Ursachen. Je 5 EP können auch zusätzliche relevante Informationen in einem Gespräch zutage treten. Durch die Beratung kann ein williger Patient schließlich Probleme und innere Konflikte überwinden. Damit erlaubt der wiederholte erfolgreiche EInsatz dieser Fertigkeit auch Neigungen, Schwächen und sogar Zwänge zu mindern oder ganz zu kurieren, insofern die erforderlichen XP aufgewandt werden. Sollte ein unnormaler mentaler Zustand magisch verursacht sein, etwa durch Bezauberung, Kontrolle oder Besessenheit, bleibt die Suche nach den Ursachen ohne endgültiges, klärendes Ergebnis. Nur wenn der Charakter selbst über adäquate magische Fähigkeiten oder eine Form der „Magiekunde“ verfügt, kann der SL die Macht des magischen Effekts oder die Geistesresistenz der Präsenz, die vom Patienten Besitz ergriffen hat, als SG heranziehen, um den Zustand richtig zu deuten und gegebenenfalls sogar genau zu identifizieren.