Liuthari (Höhere Macht): Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 16. Februar 2025, 02:22 Uhr
Die Gottheit
Aspekte: Umkehr, Neubeginn, Vergebung, Minderheiten, Akzeptanz, Dämmerung, Zwielicht
Beinamen: Die Tänzerin im Zwielicht; Die Herrin der Dämmerung; Die Hüterin des Letzen Lichts; Die Stimme der Ungebrochenen
Ideologie: Liuthari lehrt, dass in jeder Seele ein Funke des Lichts wohnt, selbst wenn diese sich im Schatten verloren glaubt. Keine Schuld ist so groß, dass sie nicht durch Vergebung gemildert werden könnte, und kein Fehler so gravierend, dass durch seine Akzeptanz nicht ein neuer Weg entstünde. Die Zwielichtgöttin sieht die Essenz des Seins nicht in starren Regeln oder vorschnellen Urteilen, sondern in der wunderschönen Vielfalt, die erwächst, wenn jeder den Mut und die Freiheit besitzt, sich selbst zu verwirklichen und sein eigenes Schicksal zu gestalten. Ihre Stimme flüstert von der Möglichkeit, Altes hinter sich zu lassen und seelische Wunden zu heilen – sei es durch die Vergebung gegenüber anderen oder die Annahme der eigenen Fehlbarkeit. So zählt jede Geste der Akzeptanz, jedes Angebot der Vergebung, jede Hand, die einem Gefallenen gereicht wird. Mögen dies auch keine schillernden Heldentaten sein, so sind es doch stille, unermesslich wertvolle Funken, die das Dunkel erhellen. Liuthari weiß, dass der Weg zur Umkehr nicht leicht ist. Die Schatten des Zweifels und der Angst können erdrückend wirken, doch in ihnen liegt zugleich die Chance zur Wandlung. Sie duldet weder eine Tyrannei des Lichts, das richtet und verurteilt, noch die absolute Dunkelheit, die Schrecken bringt und Hoffnung raubt. Stattdessen ruft sie dazu auf, Brücken zu bauen, Kompromisse zu finden und Versöhnung zu suchen. Liuthari verachtet niemanden – sogar jenen, die ihr Herz verschließen, anderen einen Neubeginn verweigern oder selbst im Dunkel verloren scheinen, soll die Möglichkeit gegeben sein, ihren Weg zurückzufinden – sofern sie es denn wollen. Wer jedoch absichtlich den Pfad der Zerstörung und des Hasses beschreitet, andere in Unfreiheit zwingt und unterjocht, mit Grausamkeit wütet, mit Tücke hintergeht und dabei keinerlei Reue zeigt, der schlägt Liutharis Angebot der Versöhnung aus und verwirkt damit auch ihre Gunst. Liuthari vergibt, aber sie ist nicht blind gegenüber wissentlicher Bosheit, und ihr entschlossenes Einschreiten kann ebenso unerwartet wie verheerend für ihre Feinde sein. Im Zwielicht jedoch ist nichts endgültig – und das ist das wahre Geschenk der Göttin. Es ist nie zu spät, sich einem Neubeginn zu öffnen – jede Dämmerung, die der Nacht den Weg bereitet, und jeder Morgen, der neues Licht bringt, ist ein Ausdruck von Liutharis Gnade.
Ikone: Liuthari wird stets als wunderschöne Frau mit mitternachtsschwarzer Haut und wallendem, weißem Haar dargestellt, die in tänzerischer Pose zwei silberne Klingen führt. Manchmal werden ihr auch andere Waffen zuteil, welche jedoch mit der gleichen meisterlichen Grazie geführt werden. Als Verkörperung des Zwielichts sind auch ihre Ikonen geprägt von hohen Kontrasten, und oftmals ist ihr anmutiges Gesicht von Schatten verborgen und nur vage zu erkennen.
Symbolik: Ein oft verwendetes Symbol von Liuthari sind zwei gekreuzte, silberne Klingen – die bevorzugten Waffen der Halbgöttin – welche auch soweit stilisiert werden, dass sie zwei schmalen Mondsicheln gleichen – ebenfalls gekreuzt, die eine zunehmend, die andere abnehmend. Manchmal wird stattdessen jedoch auch ein gebrochener, silberner Kreis als Symbol gewählt, welcher für die Möglichkeit steht, aus alten Mustern auszubrechen und neue Wege einzuschlagen. Er symbolisiert die Überwindung von Hindernissen und den Neubeginn nach einem Scheitern und ist vor allem bei weniger kämpferisch orientierten Glaubensgemeinschaften beliebt. Die typischen Farben sind weiß, schwarz und silbergrau.
Mythologischer Hintergrund: Liuthari wird als Tochter der Mondgöttin Alymar betrachtet, und teilt mit dieser einige grundlegende Eigenschaften, grenzt sich andererseits jedoch auch deutlich von ihrer Schöpferin ab. Beide Gottheiten haben einen Hang zum Unkonventionellen, hinterfragen starre Strukturen und legen Wert auf individuelle Freiheiten, wenn auch auf unterschiedliche Weisen. Beide werden mit dem Verborgenen und dem Unbekannten assoziiert, doch wo Alymar unberechenbarer und schwer zu fassen scheint, ihre Motive oft unklar und ihre Handlungen zuweilen widersprüchlich, wirkt Liuthari deutlich transparenter und nahbarer. Sie hat keinen Sinn für Geheimnisse, Manipulation und hintergründige Verstrickungen, sondern bevorzugt eine direkte Vorgehensweise, die den Sterblichen unmittelbar zu Gute kommt. Selbstlose Vergebung entspricht hingegen nicht Alymars Naturell und sie betrachtet diesen Wesenszug ihrer Tochter zuweilen als naiv und weltfremd. Trotz aller Widersprüche, verbindet die beiden Gottheiten dennoch ein untrennbares Band, wie es zwischen Eltern und Kind zu erwarten ist – hat Alymar ihre Tochter doch aus gänzlich eigener Kraft zur Halbgöttin erhoben. Gemeinsam stehen sie gegen die Mächte der Finsternis, insbesondere die Göttin Naress sowie verschiedene Erzdämonen, die ihren geteilten Prinzipien widerstreben.
Götterreich: Die westliche Mythologie beschreibt das jenseitige Reich von Liuthari als „Die Gärten des Mondes“, ein Zweireich in dem sie als Halbgöttin gemeinsam mit ihrer Schöpferin Alymar herrscht.
Namen und Varianten: Der Name „Liuthari“ ist unmittelbar aus dem Elfischen entnommen, wird die Halbgöttin doch auch heute noch unter dem gleichen Namen vom Volk der Mondelfen verehrt. Er setzt sich aus den Worten Líuth, welches sinngemäß „Dämmerung“ und „Zwielicht“ oder als Adjektiv auch „nebulös“ bedeuten kann, sowie Tharis, was mit „Befreiung“ oder „Gnade“ übersetzt wird. Die Worte sind jedoch zu einem untrennbaren Eigennamen verschmolzen, der lediglich eine poetische Übersetzung wie „Gnade der Dämmerung“ oder „Freiheit im Zwielicht“ erlaubt. Während feststeht, dass der Glaube an Liuthari tatsächlich im Elfischen seinen Ursprung nahm, ist nicht eindeutig überliefert, wie er sich auch unter den Menschen in Cathos verbreitete. Es legt nahe, dass früher eine stärkere Verbundenheit zwischen den Nationen der Menschen des südlichen Kontinents und den dort ansässigen Mondelfen existierte, denn heutzutage lebt das Elfenvolk zurückgezogen, und ist für viele Menschen kaum mehr als ein Mythos.
Eine besondere Variante des Glaubens an Liuthari hat sich auf der Insel Thelakis, weit im Südwesten von Cathos, in der galæischen See entwickelt. Hier wird sie als alleinige Göttin unter dem Namen „Calythra“ verehrt, und gilt als ein Leuchtfeuer der Hoffnung für diejenigen, die Schutz und Zuflucht suchen. Insbesondere Frauen, die Unterdrückung und Verfolgung erlitten haben, werden hier mit offenen Armen empfangen und in einem neuen Leben willkommen geheißen, völlig ungeachtet der Umstände und ihrer Herkunft. Hier finden sie eine unerschütterliche Einheit unter Schwestern, die nicht durch Blut, sondern durch ein gemeinsames Ziel verbunden sind – ihre neue Heimat, eine Bastion der Unabhängigkeit und Akzeptanz, zu verteidigen.
In der Religion des östlichen Kontinents La'Tien findet sich die Entsprechung zu Liuthari in der Göttin „Ariaketsuki“, die sehr ähnliche Prinzipien vertritt, jedoch stets ohne Waffen dargestellt wird. Allerdings werden in einer Gesellschaft, die sehr auf Etikette, Ehre und Pflichtgefühl bedacht ist, Fehltritte weder leicht übersehen noch schnell verziehen. Und so mag an dieser Mentalität liegen, dass es keine Tempel oder Schreine gibt, die Ariaketsuki gewidmet sind. Legenden über ihre Taten und Segnungen scheinen bei der Vielzahl von Volksmärchen, Liedern und Gedichten über Mondgeister und deren rätselhafte Natur kaum hervorzustechen. Dennoch finden sich auch hier jene, welche durch den tief empfundenen Wunsch nach Veränderung und Erlösung den Weg zur Göttin des Zwielichts finden und ihr nachfolgen.
Im Norden des Kontinents N'Baia, im Zerbrochenen Reich von Xalica, wird Liuthari unter dem Namen „Etechi“ verehrt, deren Ikonen ein deutlich menschlicheres Erscheinen aufweisen. In einem Pantheon der Gegensätze nimmt sie einen besonderen Platz ein, da es keine andere Gottheit gibt, die als ihr Gegenspieler angesehen wird. Sie gilt vielmehr als die Verkörperung des Gegensatzes selbst, als Göttin von Licht und Dunkelheit, und als Schutzpatronin aller, die sich im Leben schwierigen Herausforderungen oder Entscheidungen stellen müssen. Etechi gilt jedoch keineswegs als Schicksalsweberin, wie es so manch anderer fremdländischer Gottheit zugeschrieben wird, denn im xalicanischen Glauben liegt das Schicksal sogar außerhalb des göttlichen Einflusses. Im Gegenteil, Etechi ist diejenige, die Einsicht und Führung bieten kann, um ein vorbestimmtes Schicksal zu vermeiden und selbstbestimmte Wege zu beschreiten.
Die Anhängerschaft
Übliche Völker: Menschen, Halbelfen, Elfen, Sephir, Einzelfälle in allen Völkern möglich
Gesinnung der Anhängerschaft: 5% RG; 25% NG; 45% CG; 10% NN; 15% CN
Voraussetzung: PE-Charisma 2; GE-Agilität 1; „Überzeugen“ auf FW 2
Charakteristische Kenntnisse: „Akrobatik“, „Überzeugen“, {Magiekunde}, {Einhandschwerter} oder {Säbelklingen}
- Eine Anhängerin Liutharis muss den Grundsätzen von Vergebung und Akzeptanz folgen und diese bestmöglich leben. Dies bedeutet jedoch nicht nur anderen zu vergeben, sondern auch sich selbst. Nur so kann innerer Friede erreicht und die Nähe zur Göttin erfahren werden. Zudem erfordert es die Erkenntnis, dass Sterbliche nunmal komplexe und auch fehlbare Wesen sind, deren Seelen Licht- und Schattenseiten haben. Diese Komplexität anzuerkennen, bedeutet andere nicht vorschnell zu verurteilen, sondern sich um Verständnis zu bemühen. Priesterinnen Liutharis sollen sich auch ihrer eigenen Fehlbarkeit bewusst sein und sich nicht über andere erheben. Stattdessen sind sie angehalten, sich in andere hineinzuversetzen und ihre Motive und Beweggründe zu verstehen, bevor sie urteilen. Als Vermittler in Konflikten suchen sie stets nach Lösungen, die allen Beteiligten gerecht werden.
- Ebenfalls von großer Bedeutung sind die Prinzipien von Wandel, Umkehr und Neubeginn. Das Leben ist ein ständiger Fluss, nichts bleibt für immer gleich. Daher betonen die Lehren Liutharis die Akzeptanz von Veränderung und die Bereitschaft, sich gegebenenfalls immer wieder neu zu erfinden. Jeder neue Morgen bietet eine neue Chance, Dinge besser zu machen. Die Priesterschaft ermutigt daher, aus Fehlern zu lernen und wann immer nötig einen Neubeginn zu wagen, egal wie oft man bereits gestrauchelt ist. Auch innerhalb der Priesterschaft werden starre Dogmen abgelehnt. Stattdessen entscheidet sich die kollektive Vorgehensweise in einer gegebenen Situation oftmals aus der offenen Diskussion innerhalb der Gemeinschaft.
- Liuthari schätzt die Einzigartigkeit jedes Einzelnen, womit die individuellen Freiheit eine weitere wichtige Maxime ist. Die Priesterschaft ermutigt jeden, den eigenen Weg zu finden und die eigene Wahrheit zu leben, solange man damit niemand anderem schadet. Der äußere Zwang hin zu bestimmten Handlungsweisen wird strikt abgelehnt, man soll sich stattdessen mit Toleranz und Offenheit begegnen, auch wenn man vielleicht andere Herkunft, Erscheinung, Ansichten oder Lebensweisen hat.
- Trotz ihres Strebens nach einem harmonischen Zusammenleben, sind die Anhänger Liutharis durchaus wehrhaft. Sie sehen es als ihre heilige Pflicht die genannten Prinzipien der Toleranz, Freiheit und Individualität gegen Unterdrückung, Fanatismus und Dogmatismus zu verteidigen. Wie auch ihre Göttin die Augen nicht vor wissentlicher Bosheit verschließt, zeigt auch ihre Priesterschaft hier Entschlossenheit und Stärke. Denn Grausamkeit und Intoleranz zu akzeptieren, läutet das Ende aller Freiheit ein. So bieten sie Verfolgten Zuflucht und Suchenden Rat, ungeachtet ihrer Hintergründe, und stellen sich schützend vor jene, die sich nicht selbst verteidigen können. All jenen, die den Mut haben, ihre eigenen Schatten zu konfrontieren und zum Licht zu streben, wird ihre aufrichtige Unterstützung zuteil.
Gesellschaft und Repräsentation: Die gesellschaftliche Akzeptanz der Lehren von Liuthari varriert stark, je nach kulturellem Hintergrund.
- Die Glaubensgemeinschaften im südwestlichen Cathos sind eher klein und halten sich oftmals bedeckt. Insbesondere in Regionen wo konservative Gesellschaftsnormen vorherrschen, begegnet man ihnen zuweilen mit einer Mischung aus Misstrauen, Vorsicht und vielleicht sogar offener Ablehnung. Liutharis Betonung der individuellen Freiheit und das Hinterfragen von Autoritäten und strengen Hierarchien wird von lokalen Herrschern nicht selten als subversiv und gefährlich angesehen. Die differenzierte Sichtweise von Gut und Böse sowie die Vorstellung, dass jedwede aufrichtig bereute Tat vergeben werden kann, könnte von diesen als Schwächung der sozialen Ordnung und als Freibrief für unmoralisches Verhalten interpretiert werden. Dort wo auf strenge Gesetze und harte Strafen gesetzt wird, um Recht und Ordnung zu wahren, können die Maximen der Vergebung und zweiten Chancen als Zeichen von Schwäche und Nachgiebigkeit gesehen werden, welche Kriminalität und Chaos Tür und Tor öffnen. Auch die Toleranz gegenüber unterschiedlichen Lebensweisen und Ansichten, die Liuthari predigt, mag dort wo Andersdenkende mit Argwohn betrachtet werden, auf Ablehnung stoßen. Doch glücklicherweise ist dies nicht überall auf Cathos der Fall. Insbesondere im Osten des Kontinents, dort wo die Einflüsse elfischer Verbundenheit noch stärker nachhallen und eine liberalere Mentalität herrscht, hat auch die Kirche der Liuthari einen höheren Stellenwert und größere Tempel, deren Priesterschaften offen agieren können.
- Im Volk der Mondelfen genießen die Anhänger Liutharis hingegen durchweg hohes Ansehen und treten hier deutlich kriegerischer in Erscheinung. Gewappnet mit Klinge und Magie sind sie stets bereit, die Grenzen ihres Reiches gegen unerwünschte Eindringlinge zu verteidigen. Dabei bekleiden die Priesterinnen normalerweise hohe militärische Ränge und gelten als resolute und zugleich emphatische Anführerinnen. Ihnen ist nichts daran gelegen das Blut Unwissender zu vergießen, sondern sie versuchen stets Fremde subtil von den verborgenen elfischen Siedlungen abzulenken, auf dass ihre Präsenz garnicht erst wahrgenommen wird. Auch sind die Priesterinnen oftmals Teil von Gesandtschaften, die sich auf gefährliche, geheime oder – in seltenen Fällen – diplomatische Missionen jenseits der Grenzen begeben. Innerhalb der elfischen Gemeinschaft verfolgen die Anhänger Liutharis jedoch auch ihre Aufgaben im Dienste der Vergebung und Akzeptanz, etwa indem sie als Schlichter fungieren oder andere bei der Selbstfindung unterstützen.
- Im Inselreich Thelakis, weit im Südwesten von Cathos, übernimmt Liutharis Glaubensgemeinschaft weitreichende politische Verantwortung und ihr Glaube wird als offizielle Staatsreligion öffentlich zelebriert. Die Hohepriesterin der Calythra, wie die Halbgöttin hier genannt wird, herrscht gemeinsam mit der vom Volke erwählten Königin über die Insel – das „Zweigestirn von Thelakis“. Die nationale Identität ist hier unabdingbar mit den moralischen Leitsätzen der Liuthari verbunden, und ihre Priesterinnen genießen höchstes Ansehen.
- Im östlichen La'Tien ist Liuthari unter dem Namen Ariaketsuki zwar eine von höchster geistlicher Stelle anerkannte Göttin im Pantheon des Kaiserreiches, doch gibt es keine etablierten Tempel, die ihr geweiht wären. In der normalen Bevölkerung ist sie eher unbekannt und wird von Uneingeweihten oftmals mit ihrer Mutter, der Mondgöttin Tsukidemi, oder anderen legendären Mondgeistern gleichgesetzt. Ihre Verehrung findet daher nur im Privaten statt, von jenen, die ihre Lehren für sich als wahr und richtig erkannt haben. Ihre Priester – seien es auch nur wenige – gehen ihrer Berufung daher meist auf Wanderschaft nach und versuchen im Kleinen allgemein im Sinne ihrer Glaubensgrundsätze zu wirken. Der von ihnen gepredigte Freigeist würde in der strikten Gesellschaft des östlichen Kaiserreiches sicherlich anecken, sollte er vor einer großen Zuhörerschaft proklamiert werden.
- Im Zerbrochenen Reich von Xalica, im Norden des Kontinents N'Baia, steht die Priesterschaft der Etechi wiederum öffentlich im Dienste der Bevölkerung. Ihren Glaubensgrundsätzen folgend, fungieren sie als Berater in schwierigen Lebenslagen, unterstützen bei der Entscheidungsfindung und helfen dabei persönliche Veränderungen umzusetzen. Dabei kommt es nicht selten vor, dass ein Priester der Etechi einen Gläubigen für eine Weile begleitet, manchmal um tatkräftige Hilfestellung zu leisten oder Schutz zu bieten, ein anderes Mal als stiller Beobachter und Zeuge des angestrebten Wandels.
Die Glaubensgemeinschaft der Liuthari ist in drei Gruppierungen unterteilt, die auch als „Chöre“ bezeichnet werden.
- Chor der Morgenröte: Die Mitglieder dieser Gruppierung sehen sich vornehmlich als Repräsentanten ihres Glaubens gegenüber Außenstehenden. Sie werden am ehesten mit diplomatischen Aufgaben oder der Kooperation mit anderen Organisationen betraut. Aus diesen Erfahrungen erwachsen oftmals besondere Führungsqualitäten, die dann wiederum der eigenen Gemeinschaft zu Gute kommen, wenn sie später leitende Positionen innerhalb der Kirche bekleiden. So fühlen sich vor allem jene mit extrovertiertem Wesen, die gerne mit anderen interagieren, zu diesem Chor hingezogen.
- Chor der Dämmerung: Diese Gruppierung agiert normalerweise eher im Hintergrund. Sie sind die stillen Beschützer der Gemeinschaft, Sammler und Hüter ihrer Geheimnisse, geduldige Berater und Seelsorger zugleich. Oftmals werden sie mit internen, organisatorischen Aufgaben betraut, bemühen sich um Harmonie und offene Kommunikation und halten die Gemeinschaft so aus dem Inneren zusammen. Daher ist dieser Chor vor allem für jene ansprechend, die von ihrer Natur eher introvertiert sind und nicht so gerne im Mittelpunkt der Ereignisse stehen.
- Chor der Mitternacht: Die Anhänger dieser Gruppierung fokussieren ihre Bemühungen auf die Entwicklung ihrer individuellen Stärken und Fähigkeiten, um der Gemeinschaft als schlagkräftige Waffen in unterschiedlichsten Situationen dienen zu können. Oftmals organisieren sie sich in noch kleineren Splittergruppen, die unter klangvollen Titeln eine freundschaftliche Rivalität entwickeln, an denen alle Beteiligten nur weiter wachsen können. Dieser Chor zieht daher vor allem jene an, die wagemutig, kompetitiv und besonders abenteuerlustig sind.
- Die drei Chöre arbeiten eng zusammen, um ihre Aufgaben und Pflichten bestmöglich zu erfüllen, sodass eine scharfe Abgrenzung in diesem Sinne kaum möglich ist. Eine Gesandtschaft der Liuthari besteht normalerweise aus drei Mitgliedern, einer aus jedem Chor, die sich gegenseitig mit ihren jeweiligen Stärken ergänzen und etwaige Schwächen ausgleichen.
Verliehene Kräfte
Methode der Magie: 80% Selektion, 20% Inspiration
Zyklen: Je nach dem welchem Chor ein Charakter angehört, kann er Zugang zu vier bestimmten Zyklen erhalten, welche ihn bei der Erfüllung seiner Aufgaben in besonderer Weise unterstützen können:
- Chor der Morgenröte: Dunkelheitszyklus, Erlösungszyklus, Lichtzyklus und Präsenzzyklus
- Chor der Dämmerung: Dunkelheitszyklus, Geheimniszyklus, Gleichgewichtszyklus und Lichtzyklus
- Chor der Mitternacht: Dunkelheitszyklus, Kampfzyklus, Lichtzyklus und Reisezyklus
Wie zu sehen ist bieten alle drei Chöre Zugang zum Lichtzyklus und Dunkelheitszyklus, sowie eine besondere, übergreifende Synergie: Auf jedem Grad ist ein besonderes Zwielichtgebet verfügbar, welches automatisch zugänglich wird, wenn der Charakter die beiden zu Grunde liegenden gegensätzlichen Gebete von Licht und Dunkelheit beherrscht. Ein solches Zwielichtgebet kann jederzeit statt einem der Originale genutzt werden, wenn der Anwender bereit ist einen zusätzlichen Magiepunkt zu entrichten. Das Wirken selbst ist dabei nicht erschwert. Die Zwielichtgebete sind im Vergleich zu anderen Gebeten ihres Grades besonders machtvoll.
Grad Voraussetzung Gebet Kurzbeschreibung I Heller Strahl
Dunkler StrahlSchimmernder Strahl verursacht 2W4 SP durch Karma bei einem Wesen, wobei der Gesinnungsunterschied als Bonus Angriffs- und Schadenswurf gilt II Erhellen
VerdunklungTanzende Schatten manipuliert Licht und Schatten in einem großen Bereich um den Anwender, um Feinde zu enthüllen und Verbündete zu verbergen III Geweihter Glanz
Lindernde SchattenSternenmantel heilt 3W4 Runden lang jeweils 1 LE pro Runde und verleiht solange eine Magieresistenz von 1 IV Gleißendes Schwert
Schwert der FinsternisKlinge der Dämmerung erschafft eine Klinge aus schimmerndem Sternenlicht, welche besonders effektiv gegen eine vom Anwender gewählte Kreaturenart ist V Wall des Lichts
Wall der SchattenWall des Zwielichts erzeugt eine schimmernde Wand aus fahlem Licht, deren Durchquerung für eine vom Anwender gewählte Kreaturenart schier unmöglich ist VI Regenbogen
SchattenreiseSchattenbogen erschafft einen Bogen aus Zwielicht, der entweder zum Angriff genutzt werden kann, oder um sich an den Zielort des Pfeils zu versetzen VII Große Erscheinung
Grausame SchattenZwielichtgarde erschafft mehrere schimmernde Phantome, die sich den Gegnern im Wirkungsbereich entgegenstellen und den Anwender verteidigen VIII Sternenfeuer
Dunkler VortexKosmischer Wirbel erzeugt einen Wirbel aus Sternenlicht um den Anwender, welcher erlaubt Gegner zu schädigen, wegzudrängen oder heranzuziehen IX Konstellation
Stimmen der LeereSternernklang bewirkt abhängig von der Tageszeit einen von vier machtvollen Effekten, der alle Wesen im Wirkungsbereich betrifft
Es sei noch erwähnt, dass einige Gebete des Dunkelheitszyklus, Geheimniszyklus und Präsenzzyklus im Hinblick auf ihrer moralische Tragweite mit besonderem Bedacht einzusetzen sind. Hier gewährt Liuthari ihren Priesterinnen einen Vertrauensvorschuss, der stets aufs Neue verdient sein will. Die Gebete des Dunkelheitszyklus, die Angst und Schrecken manifestieren, sind als letzter Ausweg zur Abschreckung und Strafe jener zu sehen, die sich nicht anders von ihrem niederträchtigen Tun abbringen oder aufhalten lassen. Die durch den Geheimniszyklus verliehenen Möglichkeiten Erinnerungen zu manipulieren, sollen vor allem dazu dienen, schmerzhafte Erlebnisse und Traumata zu tilgen – jedoch nur mit ausdrücklicher Zustimmung und wenn dies zum eigenen Wohl und dem Wohl anderer ist. Die Gebete des Präsenzzyklus dürfen nicht dazu verwendet werden, den freien Willen anderer zu unterbinden oder gar zu brechen, und eine Umkehr zu erzwingen. Sie können jedoch als kurzfristige, gewaltfreie Lösung eines Konfliktes vertretbar sein.
- Keine: Der Charakter hegt einen anhaltenden Groll ohne sich um Klärung zu bemühen oder verweigert einem anderen die aufrichtig angestrebte Vergebung. Auch tief sitzende Vorurteile, die das Handeln in der gegebenen Situation bestimmen, oder fehlende Einsicht und Akzeptanz eines eigenen Fehltritts können die Auffrischung der Magiepunkte stagnieren lassen.
- Langsam: Der Charakter verfolgt seinen Glauben auf passive Weise, indem er an einem Ort verweilt und wartet, bis sich die Gelegenheit ergibt zu helfen und zu handeln.
- Normal: Der Charakter ist im Auftrag seines Glauben unterwegs. Er reist beispielsweise mit anderen und unterstützt sie dadurch direkt und indirekt bei ihrer Selbstfindung, einem Neubeginn oder angestrebter Wiedergutmachung.
- Schnell: Der Charakter praktiziert seinen Glauben unmittelbar und gegen äußere Widerstände. Vielleicht vermittelt er aktiv in einer langanhaltenden Konfliktsituation oder setzt sich mit all seinen Möglichkeiten für den Schutz von Minderheiten und Verfolgten ein.
- Direkt: In einem Moment der Erkenntnis, in der eine bleibende Lehre aus einem begangenen Fehler gezogen wird, erhält der Charakter je nach Tragweite einen oder zwei MP zurück.
Gelingt es dem Charakter ein böses Wesen zur Umkehr zu bewegen, erhält er sofort verbrauchte MP in Höhe von dessen doppelter Stufe (oder GW) zurück, mindestens jedoch zwei. Die Einsicht muss ernst gemeint sein und auch tatsächlich eine Änderung des Verhaltens bewirken. - Besondere Umstände: Verrät der Charakter bewusst die Maximen seines Glaubens, verliert er augenblicklich bis zu fünf MP (SL-Entscheid). Es können auch MP verloren gehen, die bereits zum Festlegen von Gebeten genutzt wurden (→), wodurch auch das vorbereitete Gebet nichtig ist.
- Anbetung: Vor dem Gebet zur Auffrischung der Magiepunkte ist es üblich Liuthari in Form von Musik oder Tanz zu huldigen. Geschieht dies gemeinsam mit anderen, ist dies in Bezug auf die Auffrischung wie die Begleitung eines Anhängers der gleichen oder einer befreundeten Höheren Macht zu bewerten, selbst wenn die Teilnehmer gar nicht aktiv an Liuthari glauben. Die Anbetung findet normalerweise zur Zeit der Dämmerung statt, also vor dem Sonnenaufgang oder nach dem Sonnenuntergang.
Zugängliche Mystische Gaben:
Die übliche Auswahl umfasst folgende mystische Gaben: Innere Stärke*, Gunst* (Lebenszyklus, Magiezyklus), Heilende Hände* (Vitale Hände, Schützende Hände), Zeichen* (meist Licht und Dunkelheit), ...
Der SL kann die mystischen Gaben dieser Auswahl auch durch andere ersetzen, die besser zum kulturelle Hintergrund des Charakters oder der regional verehrten Variante Liutharis passen.